Traumapädagogik - Eine wichtige Weiterbildung für die Mitarbeitenden in der Flüchtlingshilfe

12.02.2018 CJD Berlin-Brandenburg « zur Übersicht

Das Jahr 2018 startet für die Mitarbeiter*innen in den Flüchtlingsunterkünften und den Wohngemeinschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit einer breit angelegten Weiterbildungsmaßnahme. Das Thema der Maßnahme sind die besonderen Belastungen, denen die Mitarbeiter*innen im Umgang mit traumatisierten und psychisch belasteten Geflüchteten ausgesetzt sind. Ermöglicht wird sie durch eine großzügige Spende, die im Rahmen des CJD-Spendenparlaments gewährt wurde.

Den Auftakt machten die Sprachmittler*innen: Ihre Rolle als Dolmetscher in psychosozialen Beratungsgesprächen, in Erst- und Kriseninterventionen sowie in der längerfristigen Bearbeitung von posttraumatischen Belastungsreaktionen ist unverzichtbar. Durch eine Gestalttherapeutin werden sie mit praktischen Übungen in das Setting der psychologischen Beratung eingeführt, ihnen werden Grundzüge der Gesprächsführung im therapeutischen Gespräch erläutert und sie werden über den sachgemäßen Umgang mit der eigenen emotionalen Betroffenheit aufgeklärt.

Weitere Module der Weiterbildungsreihe umfassen Team-Coachings, durch die die Mitarbeiter*innen die Möglichkeit erhalten, besondere Belastungen im Umgang mit psychisch beeinträchtigten, aggressiven oder suizidalen Geflüchteten zu reflektieren. Zudem erhalten sie Schulungen, in denen sie die krankheitsbedingten und traumaspezifischen Besonderheiten in der Betreuung geflüchteter Menschen kennenlernen. Die Mitarbeiter*innen lernen, wo die Grenzen ihrer Zuständigkeit sind und wie sie ihren Selbstschutz optimieren können. Abgerundet wird die Weiterbildung durch praktische Deeskalationstrainings. Die Mitarbeiter*innen werden darin geschult, frühzeitig Gewaltsituationen zu erkennen, sicher aufzutreten, bewährte Methoden zur wirksamen Deeskalation anzuwenden – und natürlich sich selbst zu schützen und das eigene Verhalten zu reflektieren.

Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass 70 % aller Geflüchteten in Deutschland traumatische Erlebnisse durchleben mussten und 50 % an einer posttraumatischen Belastungsstörung und / oder Depressionen leiden. Die Erfahrungen in den Berliner Notunterkünften des CJD bestätigen diesen Befund. Die Integration und die Eingliederung in die Regelstrukturen verlaufen bei den Betroffenen deutlich verzögert. Sie erlernen häufig langsamer die deutsche Sprache, nehmen seltener Qualifizierungsangebote wahr und haben weniger Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Hieraus folgen schlechtere Chancen auf dem hiesigen Wohnungs- und Arbeitsmarkt und eine durchschnittlich längere Aufenthaltsdauer in Notunterkünften.

Durch die Weiterbildungsreihe erhalten die Sozialarbeiter*innen und -betreuer*innen in der Flüchtlingshilfe die Möglichkeit, ihr eigenes Wissen zu erweitern und die Belastungen, die in ihrer vielfältigen und verantwortungsvollen Tätigkeit auftreten, souveräner zu meistern. Durchgeführt werden die Weiterbildungen von erfahrenen Psycholog*innen und professionellen Trainer*innen und Coaches.